von Peter Weiss 

 

70 Jahre nach Ende des Holocaust nimmt der Antisemitismus derzeit wieder zu. Je größer die zeitliche Distanz zu den in ihrer Grausamkeit, Konsequenz und Dimension beispiellosen Verbrechen der Nazis an Juden aus ganz Europa wird, desto mehr scheint die Erinnerung an das, was sich konkret zugetragen hat, zu verblassen. Um so dringender stellt sich für das gegenwärtige Theater die Frage, wie es einen Beitrag zur Erinnerungsarbeit zu leisten vermag.

Peter Weiss' dokumentarisches Theaterstück "Die Ermittlung" aus dem Jahr 1965 bietet dafür eine Grundlage. Weiss greift auf die Dokumente aus dem Frankfurter Auschwitz-Prozess 1963-65 zurück. Die Aussagen von Angeklagten, Zeugen, Anklägern, Richtern und Verteidigern sind transformiert in ein eindrückliches "Oratorium in 11 Gesängen", das unbarmherzig ist in seiner Sachlichkeit, grausam in seiner Detailliertheit, kaum aushaltbar in seiner Genauigkeit. 

Wie spielt man die "Ermittlung" heute, wie gehen wir mit der Erinnerung an Auschwitz um? Volker Lösch wird diese Fragen gemeinsam mit den Regiestudierenden und Schauspielstudierenden untersuchen und einen Abend entwickeln, der von unterschiedlichen szenischen Herangehensweisen und Annäherungen an das Textmaterial geprägt ist. 

 

 

 

Volker Lösch

Der Regisseur Volker Lösch gehört zu den profiliertesten Regisseuren des Gegenwartstheaters. Er arbeitet in seinen Inszenierungen häufig mit Profis des jeweiligen Schauspielensembles und Vetreter/innen von unterschiedlichsten sozialen Gruppen. Lösch hat bisher über 70 Inszenierungen realisiert, u. a. an Theatern in Basel, Berlin, Bonn, Bremen, Essen, Dresden, Düsseldorf, Freiburg, Graz, Hamburg, Leipzig, Montevideo, Stuttgart und Zürich. Von 2005 bis 2013 war er Hausregisseur und Mitglied der künstlerischen Leitung am Staatstheater Stuttgart.
Im Jahr 2006 wurde Volker Lösch für den deutschen Theaterpreis »Faust« nominiert. Seine Inszenierung von »Marat, was ist aus unserer Revolution geworden« nach Peter Weiss am Schauspielhaus Hamburg wurde zum Berliner Theatertreffen 2009 eingeladen. 2013 hat er den renommierten Lessingpreis des Landes Sachsen erhalten. Am Thomas Bernhard Institut unterrichtet er seit 2010 regelmäßig und hat dabei aufsehenerregende Studienprojekte zur „Orestie des Aischylos“ und zur „Macht der Rede“ realisiert.

 

Galerie

Besetzung

Leitung: Volker Lösch & Christoph Lepschy
Regieteam: Mattia Maier, Franziska Stuhr, Cornelia Maschner, David Schnaegelberger
Mit: Schauspieler_innen des 2. Jahrgangs & des 3. Jahrgangs

 

Termine

30. April 2015, 20:00 Uhr Premiere

02. Mai 2015, 20:00 Uhr