Ein Abend, zwei Stücke

 

"Waisen" 

  

Danny:   Also darauf läuft es heutzutage hinaus? Wen wir kennen und wen nicht?"

Helen:    Ja, richtig Danny. Heute. heutzutage läuft es genau darauf hinaus. Wen wir kennen und wen nicht.

Dannys und Helens romantisches Abendessen wird jäh unterbrochen, als Helens Bruder Liam blutüberströmt im Zimmer steht. Nicht sein Blut, sagt er. Einem fremden Jungen sei er zu Hilfe geeilt, der auf der Straße angegriffen worden sei. Danny will die Polizei rufen, doch Helen hindert ihn, weil Liam vorbestraft ist und die Polizei deshalb nicht an seine Unschuld glauben wird.

Auch als sich nach und nach herausstellt, dass Liam viel tiefer in die Sache verstrickt ist, als er anfangs behauptet, beharrt sie darauf, eher ihm helfen zu müssen als jemandem, "den wir gar nicht kennen", auch wenn er gerade verletzt auf der Straße liegt. Für ihren Bruder Liam, ihr "einziges Familienmitglied" fühlt sie sich seit ihrer Kindheit verantwortlich und verlangt auch von ihrem Mann, dass er sich "für seine Familie" entscheidet.  Das Stück ist, wie der Guardian zur Uraufführung schrieb, "weniger ein  Krimi, als vielmehr als eine Erkundung der Ängste und Loyalitäten, die uns dazu bringen, zu tun, was wir nicht tun sollten. Sowie die schmerzhafte Überprüfung, wie leicht unsere moralischen Grundwerte korrumpiert werden."

 

"Der weiße Wolf"

 

 

 

"Was ist´ne Stadt ohne Gewalt? Das ist doch keine Stadt mehr, oder? Ohne Gewalt ist nur´n Friedhof. Wovor hat dieses Land so´ne Scheißangst? Das frage ich euch?"

Unheimlich ist das Land, das Haus, die Wohnung, wo Janine und Gräck ihre Heimat gefunden haben und wo sie Tosch, ihr alter Kumpel, wiederfindet. Tosch will das alte Leben wieder, lange Fahrten und Nächte im Wohnmobil durch deutsche Landstriche zwischen Baumärkten, Drive-in-Restaurants – nach Osten, dorthin, wo blutrot und verheißungsvoll die Sonne aufgeht. Gemeinsam ist dem Trio die Erinnerung an Mord und Gewalttaten und ein deutschnationaler Fantasy-Blick – aus History, Trivialmythen, Albträumen – auf eine verhasste Gesellschaft. In dem Stück fragt Lothar Kittstein vor dem Hintergrund der Enthüllungen über die Neonazi-Zelle »NSU« nach den Zivilisationsabgründen im aufgeklärten wiedervereinten Deutschland.

Galerie

Besetzung

"Waisen"

Inszenierung: Heike Frank
Kostüm & Bühne: Martin Hickmann

Es spielen: Anton Andreew, Zeynep Bozbay & Marcel Heuperman

"Der weiße Wolf"

Inszenierung: Karin Drechsel
Kostüm & Bühne: Martin Hickmann

Es spielen: Tobias Artner, Anna Maria Rieser & Julius Schulte

Termine

23. Januar 2015, 19:00 Uhr Premiere

24. Januar 2015, 19:00 Uhr

24. April 2015, 19:00 Uhr