Regie-Arbeiten zum Komischen im Gegenwartstheater

Seit seiner Grundlegung in der attisch-griechischen Kultur ereignet sich Theater zwischen den beiden Polen von Tragödie und Komödie. Während das Tragische jedoch fest im Selbstverständnis des gegenwärtigen Theaters verankert ist, hat es das Komische schwer sich gegenüber der Vereinnahmung des Lachens durch die anderen Medien zu behaupten.
Theater gilt uns Zeitgenossen doch eher als eine ernste Angelegenheit, die zur Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen und politischen Problemen unserer Gegenwart aufruft, während Fernsehen und Kino mit Stand-up Comedy, Kabarett und Klamauk dem kollektiven Gelächter bereitwillig einen Ort in der Gegenwartskultur zur Verfügung stellen.
Doch was ist das Potential des Komischen für eine zeitgenössische Theaterpraxis? Welches kritische Moment birgt das Theater gerade in der Mobilisierung seiner komödiantischen Eigenschaften?
Ist nicht das Groteske als Spielart des Komischen prädestiniert dafür der Gesellschaft einen Zerrspiegel vorzuhalten.
Welche Erkenntnis über den Zustand unserer Lebenswelt befördert das gemeinsame Lachen über das Absurde an die Oberfläche des Bewusstseins?

Im laufenden Wintersemester haben sich die Regiestudierenden des Thomas Bernhard Instituts mit den Spielarten des Komischen auf dem Gegenwartstheater beschäftigt. In ihren Regie-Arbeiten formulieren sie eigenständige Perspektiven auf Komödie, Groteske und Absurdes Theater.

 

Die Stühle von Eugène Ionesco
Inszenierung: Diana Merkel
Ausstattung: Dejana Rados
Austattungsassistenz: Hanna Schmaderer
Mit: Felicia Chin-Malenski, Madeline Gabel, Tino Zihlmann

„Ich wollte über die Pyrenäen, da gab es keine Pyrenäen mehr."

Wie erträgt man den Blick zurück auf ein Leben in dem man alle Chancen verpasst hat?
80 Jahre sind Semiramis und ihr „Schätzchen“ verheiratet und verbringen ihre Zeit mit halbherzigen Versuchen durch Spiele und Geschichten die Stumpfsinnigkeit und Inhaltsleere ihres Alltags zu füllen. Dabei tragen sie jenes Wissen in sich, dass die Welt mit einem Schlag von allem Elend befreien würde. Doch eines Abends wird aus dem Spiel Ernst, denn der Alte ist bereit, seine Botschaft zu verkünden.

Eugène Ionescos absurdes Stück „Die Stühle" von 1951 handelt auf poetisch-groteske
Weise von der nahezu übermenschlichen Anstrengung, sich aus der Monotonie und Leere
des alltäglichen Daseins zu erheben, um der zu werden, der man immer sein wollte.

20. und 21. Jänner 2018
18:00 Uhr im Theater im KunstQuartier

 
384 400 km über dem Durchschnitt von Vincent L. Sauer (Uraufführung)
Inszenierung: Jonathan Heidorn
Bühne und Kostüme: Thorben Schumüller
Mit: Chris Eckert, Mattia Meier, Sebastian Jehkul

„Wenn man ganz still ist auf dem Mond, kann man die Menschen leben hören."

Zwei Männer, die auf dem Mond vergessen wurden. Zwei Skorbut-Forscher, die über ihre
Zeitreisen referieren. Und Erna die Kuh, Vorsitzende der „Kräfte für die Arterhaltung des
Homo sapiens sapiens".
Wie ein von der Tollwut gehetzter Chihuahua beißt sich die Geschichte in den eigenen
Schwanz. Sie tritt nur auf in den Geschichten derer, die Schwänze haben. Auf ihren
ausdruckslosen Gesichtern spielen immer die Phrasen der Altvorderen, doch sie behaupten
stocksteif, es wären ihre selbstgemachten Innovationen.
Dabei perpetuieren sie spiralförmig auf der Stelle, fragend nach Gott.

Vincent L. Sauer hat mit seinem Erstlingswerk "384400 km über dem Durchschnitt“ eine "SciFi-Heimat-Satire“ geschrieben, deren szenische Umsetzung eine besondere Herausforderungen an Regie und Schauspiel darstellt. Der im prosaischen Duktus verfasste Text changiert zwischen pseudo-philosophischer Abhandlung und grotesk-epischen Szenerien, die sich einzig im reduzierten und verdichteten Spiel zweier Darsteller verkörpern.

Sprunghafte Wechsel von Zuständen und individuelle Aneignungsprozesse erwecken den Text zum Leben und schaffen Handlung in einem Szenario, welches sich dem Handeln verweigert.

20. und 21. Jänner 2018
20 Uhr im Theater im KunstQuartier

  

wohnen. unter glas von Ewald Palmetshofer
Inszenierung: Hannah Bader
Bühne und Kostüm: Lisa Behensky
Mit: Caroline Adam, Kai Götting, Anuschka Tochtermann


„Am Minimum. Perspektivenminimum.
Dort waren wir. Angelangt.
Und gemerkt, dass da perspektivisch was fehlt."

Babsi, Jeani und Max, drei 'Freunde' Anfang dreißig, treffen sich nach sechs Jahren wieder. Ein Kollektiv waren sie mal. Jeder konnte reinsehen in den anderen. Wie Glas. Eine Clique irgendwie. Und auch ein bisschen links und in der Bewegung und so. Und dann kamen die Kreuzungen, an denen man eine andere Richtung genommen hat, man ist einfach abgebogen. Und am Schluss blieb einer zurück.

Und jetzt gibt es dieses Treffen, das den anderen zeigen soll, wie weit man gekommen ist, wie weit man es gebracht hat. Das alte Fragen beantworten soll. An einem gemeinsamen Wochenende im Hotel leben alte Beziehungen und Nicht-Beziehungen wieder auf. Was übrig geblieben ist, wird überlagert von einer ständig lauernden Zukunftsangst. Da muss doch noch was kommen. Ein Zenit des Lebens. Ein Höhepunkt. Oder sogar etwas Epochales? Auf ihrer Glückssuche stoßen die drei immer wieder auf Barrieren. Kommen einfach nicht weiter. Erstarren unter der brennenden Sonne wie ausgetrocknete Glashauspflänzchen. „Weiter kommst du nicht“, sagt das Glas. „Du wohnst unter Glas, Baby."


20. und 21. Jänner 2018 21:30 Uhr im
Theatrum, Probebühne 1 (3. OG)


 

Seymour oder ich bin nur aus Versehen hier von Anne Lepper
Inszenierung: Konrad Wolf
Bühne und Kostüm: Sophie Rieser
Mit: Anton Andreew, Felix Kruttke, Hanni Lorenz
Sprecher: Helmut Zhuber

"Wenn Punkmusik zu hören gewesen wäre, hätte sich in den Herzen vielleicht was formiert. Widerstand zum Beispiel“

Drei dicke Kinder fiebern in einer ominösen Bergklinik auf die Generaluntersuchung durch
Doktor Bärfuss hin, den aber bisher niemand zu Gesicht bekommen hat. Sie warten
sehnsüchtig darauf, dass ihnen der Chef endlich beantwortet, ob sie dünn genug geworden
sind, um nach Hause zurückkehren zu können. Und so verpassen die Kinder den Moment,
sich diese Frage selbst zu beantworten.


Seymour erzählt scharfsinnig und schwarzhumorig, wie Körperkult und ästhetische
Normierung zu erbittertem Konkurrenzkampf und emotionaler Verödung führen. Es werden
unheimliche Kontinuitätslinien sichtbar. Und so wird aus dem Kurklinikaufenthalt eine
lebensbedrohliche "Sonderbehandlung" nach dem Muster von Ausschluss und Selektion.

20. Jänner 2018 16:30 Uhr im
Theatrum, Studio 1 (1. OG)

21. Jänner 2018 16:30 und 20:00 Uhr im Theatrum, Studio 1 (1. OG)

 

Hier geht's zur gemeinsamen Galerie!

 

 

Inszenierung

Regiestudierende des Thomas Bernhard Instituts - Universität Mozarteum Salzburg

 

GALERIE

 

Termine


20. und 21. Jänner 2018 im Theater im KunstQuartier

18:00 Uhr - Die Stühle
20:00 Uhr - 384 400 km über dem Durchschnitt


20. und 21. Jänner 2018 im Theatrum, Thomas Bernhard Institut

21:30 Uhr - wohnen. unter glas (Probebühne 1, 3.OG)
16:30 Uhr (21. Jänner ebenso um 20:00 Uhr) - Seymour oder ich bin nur aus Versehen hier (Studio 1 , 1.OG)


Karten:

Eintritt frei!
erhältlich an der Abendkasse
Reservierungen unter:
Tel: +43 662 6198 3121
(Mo-Fr, 9.00-12.00 Uhr)
E-Mail: schauspiel@moz.ac.at