Podiumsdiskussion mit Kurzvorträgen zum postkolonialen Bewusstsein im deutschsprachigen Raum


Europas Geschichte ist nicht zu trennen vom Kolonialismus und den mörderischen Verheerungen, die die europäischen Kolonialisatoren in weiten Teilen der Welt verursacht haben. Auch wenn viele ehemalige Kolonien im 20. Jahrhundert ihre Unabhängigkeit erklären konnten, existieren eurozentrische Denkmodelle und rassistische Ausdrucks- und Verhaltensweisen fort. Als unbewusstes oder als bewusst reaktiviertes Erbe des Kolonialismus sorgen sie dafür, dass Schwarze und People of Colour nach wie vor nicht uneingeschränkt an gesellschaftlichen Institutionen teilhaben können.


Seit einigen Jahren ist allerdings Bewegung in die deutschsprachige Debatte gekommen. Immer mehr Schwarze und People of Colour melden sich in Kultur, Politik und im öffentlichem Diskurs zu Wort, um Anerkennung und Gleichberechtigung einzufordern. Dazu gehört es, den Finger in lange Zeit ignorierte Wunden zu legen und auf strukturell ablaufende Diskriminierungen in Sprache und Umgangsformen der Weißen Mehrheitsgesellschaft aufmerksam zu machen und Änderungsvorschläge für das Miteinander in einer offenen Gesellschaft zu formulieren. Vor allem in den debattierfreudigen sozialen Netzwerken ist der Schlagabtausch voll entbrannt: Zum Fasching soll man sich nicht mehr schwarz schminken, auch Othello und Monostatos sollen nicht mehr von schwarz angemalten Weißen gespielt werden, und auf der Speisekarte heißt es jetzt „Bier mit Cola“. Ist es ein Akt kultureller Aneignung, wenn weiße Mittelstandskinder sich Dreadlocks einflechten lassen, oder ein Zeichen globaler Solidarität?

Die Gesprächsrunde möchte einige Standpunkte der Debatte beleuchten und einen postkolonial-kritischen Blickwinkel auf die österreichische und deutsche Gegenwartsgesellschaft einnehmen.


Unsere Gäste:
Saskia Fürst, leitende Dozentin im englischen Departement an der Universität Innsbruck

Saskia Fürst is currently a senior lecturer in the English Department at the University of Innsbruck. She has taught courses on Aging, Black Feminisms, African American and Caribbean literature and English language development for academic purposes, among others. Her Ph.D. analyzes representations of older Black women in US artwork, literature and print advertisements and was completed at the University of Salzburg. She holds a B.A. in German Studies, Political Science and Women and Gender Studies from Rice University, Houston, Texas as well a Diploma in English and American Studies, specializing in Gender and American Cultural Studies, from the University of Graz. Her most recent publication can be found in the English Academy Review and is titled “Palimpsests of Ancestral Memories: Black Women’s Collective Identity Development in Short Stories by Edwidge Danticat and Dionne Brand” (Routledge, 2017). A native of The Bahamas, her current research interests include representations of womanhood in Diaspora and Caribbean literature and Afrofuturism in popular culture.
 

Lawrence Oduro-Sarpong, Vorsitzender des bildungspolitischen Vereins Africavenir e.V.

Lawrence Oduro-Sarpong ist in Ghana geboren und aufgewachsen und ist Berliner geworden. Er arbeitet freiberuflich als interkultureller, Diversity-, Konflikt-, Critical Whiteness und Empowermenttrainer, Mediator, Coach, Supervisor und Prozessbegleiter.
Er ist ehrenamtlicher Vorsitzender von AfricAvenir International e.V., eine internationale Organisation mit Hauptsitz in Douala in Kamerun, die sich für die afrikanische Renaissance und einen gleichberechtigten Austausch zwischen Afrika und seiner Diaspora mit dem Rest der Welt und besonders mit Europa einsetzt.


Im Anschluss an die Vorträge freuen wir uns auf eine angeregte Diskussion mit den Expert*innen.

 

Termin


03. Dezember 2018 , 20 Uhr
im Kleinen Studio der Universität Mozarteum
Mirabellplatz 1, 5020 Salzburg 

 

Karten:
EINTRITT FREI!
Keine Reservierungen!