Dokumentarische Theaterprojekte von Regiestudierenden des 2. bis 4. Jahrgangs

Wie kommt die Wirklichkeit ins Theater? In den letzten Jahren ist die Kunst des Dokumentarischen nicht nur im Theater wiederentdeckt worden. Aus Interviews mit Menschen unterschiedlichster professioneller und kultureller Herkünfte, aus Akten, aus (pop)kulturellen Produktionen verschiedener Epochen und vieler Quellen mehr, entstehen vielgestaltige Texte, die Grundlage für die Arbeiten der Studierenden sind. 

Darüber hinaus betreten als "Expert*innen des Alltags" in zahlreichen Produktionen längst auch Akteur*innen die Theaterbühnen, die nicht Schauspieler*innen sind, sondern die Aufführungen mit persönlichen und beruflichen Erfahrungen aus ihrer jeweiligen Lebenswelt prägen. Regiestudierende am Thomas Bernhard Institut der Universität Mozarteum haben eine Reihe solcher Projekte entwickelt und dabei ausgreifende Expeditionen in die Wirklichkeit ihrer mittelbaren und unmittelbaren Umgebung unternommen.

Das gemeinsame Thema "DREI FARBEN: ROT – WEISS – ROT“ diente dabei als assoziative Stütze ebenso wie als Reibungsfläche, entlang der die ersten Ideen befragt und geprüft werden konnten.


Projekte:

Theater im KunstQuartier, Paris-Lodron-Str. 2a, 5020 Salzburg:

MEDUSA - Vor unseren Augen
Termine: 10. Mai um 18 Uhr | 11. Mai um 18 Uhr

1816 ertranken nach dem Schiffbruch der Medusa über 100 Europäer, die vor der Küste Afrikas auf einem seeuntauglichen Floß ihrem Schicksal überlassen worden sind. Gegenwärtig sterben Menschen Afrikas an den Grenzen Europas. Wer Flüchtenden hilft, sei es im Mittelmeer oder hier in Salzburg, wird oft behindert und kriminalisiert.

Das Rechercheprojekt „MEDUSA – Vor unseren Augen“ geht der Frage nach, welche Bedeutung „Menschlichkeit“ in Europa einnimmt. Eine Frage, der sich die Beteiligten durch vernetzen von Erfahrungsberichten, europäischer Geschichte und den Mitteln des Theaters stellen.
(Eine Kooperation mit den Integrationswochen –  www. integrationswochen.at)

Von und mit:
Deborah Barbieri, Jannik Görger, Augustin Groz, Justus Henke
Konzept/Recherche/Regie: Jonathan Heidorn & Ensemble
Bühne und Ausstattung: Thorben Schumüller
Kostüm: Lou Hinderhofer
Dramaturgie: Andrea Koschwitz


ARGEkultur Salzburg, Studiobühne, Ulrike-Gschwandtner-Straße 5, 5020 Salzburg:

Yangın - Feuer
Termine: 10. Mai um 19.30 Uhr | 11. Mai um 21 Uhr

Salzburg, 30. April 1938: Auf einem Holzstoß vor dem Salzburger Residenzbrunnen brennen Bücher. 1200 Werke jüdischer Künstler*innen und Schriften katholischer Autor*innen und Politiker*innen des „Ständestaates“ wurden von der Hitlerjugend am Residenzplatz verbrannt – eine von zig Bücherverbrennungen in dieser Zeit.

Das Team um Regiestudentin Ebru Tartıcı Borchers widmet sich diesem Ereignis unter dem Eindruck heutiger politischer Verwerfungen: Die deutsche AFD führt Listen AFD-kritischer Lehrer*innen, in Ungarn sind außerhalb von Budapest nur noch Mitglieder der regierenden FIDESZ-Partei Theaterintendant*innen, in Polen wird ein liberaler Oberbürgermeister auf offener Straße ermordet und in Österreich betreibt ein unter dubioser Mitwirkung des Innenministeriums entstandenes Theaterstück („Welt in Bewegung“) propagandistische „Aufklärung“ in Schulen zum Thema Flucht und Migration. 

Das Projekt „Yangin – Feuer“ fragt nach den Machtmechanismen von Wissens- und Wirklichkeitskonstruktion genauso, wie nach den persönlichen Erfahrungen und Haltungen der Bühnenakteur*innen, und deren Einschätzungen heutiger Gefahren. 

Von und mit: Carme Milán Garcia, Anıl Sürün, Azahara Sanz Jara, Maximilian Menzel & Expert*innen des Alltags
Konzept/Recherche/Regie: Ebru Tartıcı Borchers & Ensemble
Bühne und Ausstattung: Juhee Kwon
Musik: Selin Gökdemir
Animation: Behrad Behnezhad
Dramaturgische Beratung: Tufan Afşar


1 – 2 – Polizei
Termine: 10. Mai um 21 Uhr | 11. Mai um 19.30 Uhr

Wahrscheinlich wollten mindestens so viele Menschen im Verlauf ihrer Kindheit einmal Polizist*innen werden, wie sie Feuerwehrmann oder Tierärztin werden wollten. Es ranken sich viele Urteile und Vorurteile um diesen Beruf, der je nach gesellschaftlicher Großwetterlage mehr oder weniger unter Beobachtung steht.
„1 – 2 – Polizei“ ist ein recherchebasiertes Theaterprojekt, in dem sich Regiestudentin Verena Holztrattner & Team mit Stimmen von und über die Polizei in Salzburg auseinandersetzt. 

Persönliche Haltungen und Erfahrungen von Salzburger Polizist*innen werden in einem diskursiven Rahmen mit Geschichten und Gedanken von Bürger*innen und popkulturellen medialen Darstellungen verwoben. 

Das Projekt ist der Versuch, eines der kontroversesten und zugleich faszinierendsten Berufsbilder zu beleuchten und der Frage nachzugehen: Wie steht es um den „Freund und Helfer“, den „Hüter des Gesetzes“ in Österreich heute?

Von und mit: Daria Ivanova, Iman Helen Tekle, Jonathan Stolze
Konzept/Recherche/Regie: Verena Holztrattner & Ensemble

Eine Koveranstaltung mit ARGEkultur Salzburg

 

Universitätsinterne Präsentationen:

 

K r e i ß  | s a a l
Bestimmungswort für Kreißsaal ist das Verb kreißen, 'Wehen haben', 'gebären', mittelhochdeutsch krîzen, eigentlich 'schreien', 'stöhnen', wovon auch kreischen abgeleitet ist.
Termin: 17. Mai 2019 um 20 Uhr
Theatrum - Thomas Bernhard Institut, Probebühne 3
Eine schwangere Frau ist nicht krank und doch findet die Geburt meist unter besonderen Vorkehrungen statt: Die Mehrheit der Frauen entscheidet sich für eine medizinisch überwachte Geburt im Krankenhaus. Das Krankenhaus verspricht Sicherheit, denn lange galt die Geburt als eines der größten Sterblichkeitsrisiken für Frauen und Kinder – manchmal auch für beide. Heute werden Geburtstermine ausgesucht und Geburtsarten gegeneinander abgewogen. Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas Schlimmes passiert, scheint gering.

Und doch gibt es Initiativen, die auf Gewalt unter der Geburt aufmerksam machen. Die für die Selbstbestimmung der Frau einstehen, für die Wahrung ihrer Würde. In dem Moment, da Frauen nicht mehr in der Lage sind, für ihre Entscheidungen zu kämpfen oder dafür, dass sie gefragt werden, bevor eine medizinische Maßnahme an ihrem Körper durchgeführt wird. Oft hört man den Satz 'Hauptsache, es geht dem Kind gut' und damit wird alles Erlebte weggewischt, als hätte es keine Berechtigung da zu sein. Das Erleben von Gewalt während der Geburt ist ein Tabuthema – umso wichtiger ist es, darüber zu sprechen.

Geburt kennt keine Zeit. Trotzdem müssen sich werdende Eltern und auch Geburtshelfer*innen rationalen und ökonomischen Strukturen unterordnen. Es gibt Fehler im System.
Das Projekt Kreißsaal entstand aus Gesprächen mit Hebammen, Gynäkolog*innen, Ausbildungsinstituten, Krankenhäusern und natürlich mit betroffenen Frauen. Die Rechercheergebnisse werden in einer szenischen Lesung erfahrbar gemacht.

von und mit: Hannah Bader, Anna Seeberger, Iman Tekle
Konzept/Recherche/Regie: Hannah Bader, Anna Seeberger

 

In/A(n)galing. Ein Provisorium Abend Südtirol
Termin: 08. April 2019 um 20:30 Uhr
Theatrum - Thomas Bernhard Institut, Probebühne 2
 

Südtirol – Tirol – Tracht – Schützenverein – Widerstandsbewegung – Andreas Hofer - Kastelruther Spatzen – Giorgio Moroder - Italien – Dolce Vita – Tourismus – Berge – Meer …

Was ist dieses Südtirol? Die Verlängerung von Tirol? Ein „Club Mediterranée“ mit Bergen? Oder eine hochpolitische Enklave irgendwo in Norditalien, wo gerade rechts und links der Mitte um Mehrheiten gerungen wird? Und vor allem: Was ist es für die Südtiroler? Und wer ist das: ein Südtiroler?

Diesen Identitätsfragen, beladen mit historischen Selbst- und Fremdzuschreibungen geht Joachim Gottfried Goller mit Expert*innen und anderen Akteur*innen in einer „provisorischen“ Theateranordnung nach.

Von und mit: Desiree Frasnelli, Joachim Gottfried Goller, Anja Höller, Iris Karbon, Sandra Jöchler, Viktoria Kössler, Lena Lechthaler, Maximilian Menzel, Jakob Mitterrutzner und vielleicht noch einem*r Musiker*in

 

Hier geht's zur gemeinsamen Galerie!

Inszenierung

Von: 
Regiestudierenden des Thomas Bernhard Instituts der Universität Mozarteum

Mit:
Expert*innen des Alltags und Schauspielstudierenden des Thomas Bernhard Instituts der Universität Mozarteum Salzburg

Gesamtleitung: 
Ulrike Hatzer

Termine

Premiere 10. Mai 2019
Weitere Vorstellung: 11. Mai 2019


Spielorte:

Theater im KunstQuartier
Paris-Lodron-Straße 2a
5020 Salzburg

Reservierungen unter:
Online: HIER!
Web: schauspiel.moz.ac.at
Tel.: +43 662 6198 3121
(Mo-Fr: 9.00-12.00 Uhr)
E-Mail: schauspiel@moz.ac.at
Eintritt frei!


ARGEkultur Salzburg
Ulrike-Gschwandtner-Straße 5
5020 Salzburg
argekultur.at

Karten:
Eintritt frei!
Reservierungen unter:
E: tickets@argekultur.at
T: +43-662-848784